1. Arbeitstreffen 2015 Tag 1 – Ein Bericht von Thuy-Tien Nguyen

Freitag – Tag 1

 

Der Wagen rollte langsam auf dem gepflasterten Untergrund und steuerte auf ein riesiges Gebäude zu. Es war 19 Uhr und die Sonne ist bereits untergegangen. Ich schaute gespannt aus der Autofensterscheibe und konnte nur ein wenig von dem Gebäude durch die Wandleuchten erkennen. Endlich sind wir am Haus Overbach in Jülich angekommen. Ich konnte es kaum erwarten. Ich konnte es kaum erwarten, weiter an unseren Projekten für das diesjährige DHCG zu arbeiten. Die Location, die ich vorher noch nicht kannte, zu erkunden. Das leckere Essen zu essen (ich fand nämlich schon heraus, dass es Bo Kho gibt yummy!). Aber das wichtigste: meine TNCG Familienmitglieder in meine Arme zu schließen und fest zu drücken. Die meisten habe ich zuletzt vor 3 Monaten beim TNCG Treffen im Don-Bosco-Club in Köln gesehen, doch mir kam es vor, wie eine Ewigkeit – es war auf jeden Fall viel zu lange her.

Das Auto fuhr durch einen Tor und blieb auf einem Innenhof stehen. Meine Schwester, Hao-Tho, meine Eltern, anh Hai und ich stiegen aus dem Auto aus. Ich schaute mit funkelnden Augen an dem Gebäude hoch. Mir kam es vor, wie eine alte Villa – ich liebe alte Häuser! Aber von innen war alles sehr modern eingerichtet, was mir auch sehr gut gefallen hat. „Wow, was ist das für ‘ne Location!“  Hao-Tho und ich staunten nicht schlecht. Zusammen mit Lena, anh Nghia und Thu gingen wir ins Haus. Anh Nghias Bruder, Cha Hien, führte uns zuerst durch einen Gang, in dem es viele Klassenräume gab. Er schloss uns drei Klassenzimmer als Schlafplätze auf, zwei für die Jungs und eins für die Mädchen. Nachdem wir die Tische und Stühle in den Zimmern weggeräumt hatten, um Platz zum Schlafen zu schaffen, führte Cha Hien uns hoch zur Aula, in der wir ebenfalls Tische und Stühle wegräumen mussten, um diesen Raum als Gemeinschaftsraum umzufunktionieren. Die Aula war der Hammer! Das erste, das mir sofort ins Auge sprang, war die Bühne. Sie sah mit dem braunen Boden, den schwarzen Wänden und den braunen Vorhängen toll aus! Ich konnte mich nicht daran satt sehen, denn mich erinnerte diese Bühne stark an die Theaterbühne meiner alten Schule und an die damit verbundenen schönen Momente. Nachdem wir die Aula fertig vorbereitet haben, erkundigte ich die Cafeteria, in der wir gemeinsam essen werden. Neben der Cafeteria gab es auch eine Küche. Ich hörte Stimmen im Eingangsbereich, doch ich erkannte eine Stimme sofort – chi Xuan! Ihre zwei Schwestern Thao und Van, und anh Phuc sind ebenfalls mit ihr eingetroffen – endlich! Ich hoffte, dass alle anderen auch noch ganz schnell kommen würden, mir war es allerdings schon von vornherein klar, dass viele leider erst gegen 22 Uhr am Jülich Bahnhof ankommen und von chi Xuan mit dem Auto abgeholt werden konnten.

Ich zog mich etwas zurück, ging in die Aula und hörte anh Hai beim Klavier spielen zu. Ja, die Aula besaß auch ein Klavier, das neben der Bühne stand. „Perfekt zum Jammen“, dachte ich. Als ich ganz versunken in meinen Gedanken auf der Bühne stand und nur das Klavier klimpern hörte, kam auf einmal eine große Gruppe von Leuten in Richtung Aula. Die Frankfurter waren da! Und zu guter Letzt tröpfelten auch die Hamburger, Wiesbadener und die letzten aus NRW ein. Unglaublich, dass alle so einen weiten Weg auf sich nahmen – nicht nur die NRWler, sondern auch viele aus Hamburg, Hessen und Bayern – um bei dem 1. Arbeitstreffen in Jülich teilzunehmen.

Langsam knurrte mein Magen. „Wann gibt es Essen?“ Ich freute mich schon auf das Bo Kho, das chi Xuans Mama für uns gekocht hat.

Nachdem wir alle gesättigt waren (mit den großen, grünen 2 Liter Schüsseln konnte man sich echt schnell überschätzen! Hahaha), gingen wir alle in die Aula, um mit dem ersten Programm Punkt anzufangen. Das Motivations-Team (Motivatio-oh-oh-oh~) hat sich zwei Kennenlern-Spiele ausgedacht, einmal das Speed-Dating und ein Fangenspiel. Danach begann die Begrüßung seitens des O-Teams und das Spirit Programm. Es war mittlerweile Mitternacht und von anh Tuan, der Letzte von den 5 O-Team-Mitgliedern, keine Spur. Wo bleibt er denn nur (oh das hat sich gereimt haha)?

Wir saßen alle im Kreis, das Licht wurde gedimmt und jeder hatte ein Teelicht vor sich liegen. Die Stimmung war sehr gemütlich. Anh Phuc verteilte bunte Blätter, Bastelscheren und Stifte. Dann sollten wir aus dem Blatt eine Flamme schneiden, basteln oder zerreißen. Wie sollte die Flamme aussehen? Klein? Groß? Mit Ecken oder abgerundet? Dies wurde uns überlassen. Meine Flamme war lang, die eine Seite war eckig und die andere Seite schnitt ich etwas runder ab. Ich entschied mich für diese Form, denn die Länge der Flamme sollte symbolisieren, dass ich noch mehr zu entdecken habe. Dass ich Feuer und Flamme bin, noch mehr zu entdecken, mich auf Neues einzulassen und keine Angst vor Veränderungen habe. Dass ich mich nicht mehr klein machen werde. Zudem habe auch ich Ecken und Kanten und Fehler, was menschlich ist, jedoch versuche ich trotzdem von Tag zu Tag ein besserer Mensch als vorher zu sein. Meine Flamme sah zwar nicht so schön aus, sie sah nicht mal aus wie eine Flamme, aber das machte mir nichts aus. Auch nicht, als von anh Tuan der Kommentar kam: „SO sieht also deine Flamme aus?!“ Nach 10 Stunden Autofahrt aus Bayern ist er auch endlich angekommen! Er grinste, als ich ihn ansah. „Ich hab meine Flamme extra so geschnitten!“, verteidigte ich mich und lachte.

Danach sollten wir auf unsere Flamme ein Wort schreiben, was wir an diesem Wochenende beitragen möchten und sollten unsere Flammen an eine weiße Wand kleben, um daraus eine große Flamme zu bilden. Ich las mir die Wörter auf den verschieden geformte und verschieden große Flammen durch. „Freude“, „Motivation“, „Zusammenhalt“, …

Danach führte uns das O-Team ein Sketch auf und brachte uns das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Neues Testament, Mt 20, 1-16) näher. Das Gleichnis finde ich sehr schön, denn auch auf uns TNCGlern kann man es gut beziehen. Es ist nicht wichtig, wie viel jeder TNCGler gearbeitet hat, ob jetzt einer nur einen Pinselstrich gemacht hat oder sich ein ganzes Spiel ausgedacht hat oder nur Protokoll geführt hat – jeder ist gleich wichtig und jeder bekommt den gleichen „Lohn“! Wir sind ein Körper und müssen zusammenhalten, sonst funktioniert gar nichts mehr!

Nachdem ich mich bettfertig gemacht und mich in meinen Schlafsack eingekuschelt habe, schloss ich die Augen und versuchte zu schlafen. Das war ein schöner Abend, aber in wenigen Stunden würde ein neuer Tag aufbrechen. Ich musste fit sein, denn es standen viele tolle Programmpunkte auf dem Plan.

Am nächsten Morgen wurde ich schon früh von Bao Nhi – unser lebendiger Wecker (ich hatte immer noch keine Ahnung, warum sie den Job als Wecker so gerne macht!) – geweckt. Na toll, aufstehen. Nur der Gedanke an den 2. Tag vom TNCG Arbeitstreffen konnte mich dazu motivieren, aufzustehen und mich für den Tag fertig zu machen.

 

Fortsetzung folgt...

(Zur Fortsetzung)


  • INFO
  • Berichte

Visit fbetting.co.uk ladbrokes